So zahlt sich Nachhaltigkeit aus

Unternehmen müssen nachhaltiger handeln und wirtschaften. Konsumenten sollten ihren Teil beitragen und die Unternehmen unterstützen, die hier schon gute Arbeit leisten. Sieben Trends, die Mut machen.


Manches scheint heute selbstverständlich, wie weniger Chemikalien zu nutzen und vermehrt mit abbaubaren Materialien zu arbeiten. Darüber hinaus gibt es mittlerweile eine ganze Reihe innovativer Entwicklungen, die Hoffnung auf eine nachhaltigere Wirtschaft machen. Wir haben uns einmal umgeschaut: Diese sieben Trends sind gut für die Umwelt, den Verbraucher und die Unternehmen.

Trend #1: Reparatur wieder en vogue machen

Reparatur ist ein Relikt aus einer anderen Zeit. Heutzutage kommt sie aus zwei Gründen für viele nicht mehr infrage: Erstens lohnt es sich meist nicht. Bei den Billigpreisen für Kleidung und Elektronik ist die Neuanschaffung oft billiger, als Ersatzteile und Handwerk für eine Reparatur zu bezahlen. Zweitens ist durch diesen Trend das reparierende Handwerk nahezu ausgestorben. Somit wird es zunehmend schwieriger, überhaupt jemanden zu finden. Dazu kommt, dass gerade Elektrogeräte heutzutage darauf ausgelegt sind, nicht repariert werden zu können. Sie sind extra so gebaut, dass man Einzelteile nicht austauschen kann und oftmals existieren keine Original-Ersatzteile.
Es gibt jedoch Unternehmen, die Reparatur wieder en vogue machen wollen. Birkenstock bietet zum Beispiel einen eigenen Reparaturservice für ihre Schuhe an. Dort kann man vor allem seine Sohlen erneuern lassen. So halten die robusten Schuhe theoretisch Jahrzehnte. Patagonia hat eine kleine Welt rund um Reparatur und Zweite-Hand-Nutzung geschaffen. Auf der eigens eingerichteten Plattform Worn Wear kann man gebrauchte Patagonia-Kleidung kaufen und in Zahlung geben. Außerdem gibt es dort Anleitungen, wie man kleine Reparaturen selbst durchführen kann. Für größere Reparaturen kann man sein gutes Stück einschicken oder in einen Laden bringen. Paradebeispiel im Elektronikbereich ist die Firma Fairphone, die reparierbare Handys mit auswechselbaren Akkus herstellt, um die Langlebigkeit zu erhöhen.

Trend #2: Kampf gegen die Retouren-Welle

Retouren sind aus mehreren Gründen schlecht für die Umwelt. Zum einen fallen zusätzliche Lieferwege an, zum anderen muss die retournierte Ware aufbereitet und oft umgenutzt oder sogar entsorgt werden. Und was schlecht für die Umwelt ist, ist in diesem Fall auch noch schlecht fürs Geschäft. Kein Wunder, dass Unternehmen an verschiedensten Lösungen arbeiten, Retouren einzudämmen. Besonders groß ist das Problem in der Bekleidungsindustrie. Online-Shopper bestellen oft mehrere Größen nach Hause, um sicherzustellen, dass wenigstens eines der Teile auch passt. Viele große Unternehmen bieten zwar weiterhin aus Angst vor der Konkurrenz kostenlose Rücksendungen an, versuchen jedoch von vornherein dafür zu sorgen, dass die Kunden nicht retournieren.
Eine Idee, die mittlerweile viele Unternehmen dabei nutzen, ist ein Passform-Assistent. Im Größendschungel der Marken lässt sich hier ziemlich genau feststellen, welche Größe später passen wird. Dort gibt man einmal seine Körpermaße ein und welche Größen von anderen Marken einem bereits passen und erhält dann die passende Größe für das entsprechende Produkt. Einige dieser Apps speichern die Daten der Kunden, sodass diese zukünftig immer direkt die passende Größe angezeigt bekommen. Gepaart mit einem Hinweis auf die schlechte Umweltbilanz von Retouren bewirkt dieses Mittel wahre Wunder. Viele Kunden verzichten darauf, mehrere Größen zu bestellen und Retouren werden so wirksam reduziert.

Trend #3: Eigene Plattformen für B-Ware

Viele Unternehmen vernichten beschädigte Ware und Retouren, die zu sehr aufbereitet werden müssten, um wieder in den normalen Verkauf zu gehen. Das ist für die Unternehmen zwar ärgerlich, aber eben häufig billiger, als die Ware noch mal zu verwerten. Einige Unternehmen haben inzwischen eine Infrastruktur geschaffen, diese Ware wieder in den Umlauf zu bringen. Ein Beispiel dafür ist Ikea mit seinem Programm „Zweite Chance“. Schon immer sind nicht mehr intakte Möbel aus der Ausstellung oder aus Retouren in die berühmte Fundgrube gewandert. Nun hat Ikea sogar ein Rückkaufprogramm ins Leben gerufen, bei dem Käufer dem Unternehmen intakte Produkte zurückverkaufen können.
Auch Patagonia ist hier noch mal zu erwähnen. Auf Worn Wear kann man getragene Patagonia-Kleidung in Zahlung geben und bekommt dafür einen Gutschein. Amazon hat ebenfalls eine Plattform für Gebrauchtes unter dem Namen "Second Chance".

Trend #4: Leihen, teilen oder weitergeben als Geschäftsmodell

Das Bewusstsein für unsere in Gefahr geratene Umwelt und den Einfluss unseres eigenen Verhaltens darauf wächst. Gleichermaßen steigt die intrinsische Motivation der Kunden, weniger zu verbrauchen. Konsumieren wollen sie schon, aber besser und nachhaltiger. Eine nachhaltige Methode zu konsumieren ist das Teilen. Dieses Prinzip hat sich zum Beispiel das Startup Unown zunutze gemacht. Das Unternehmen bietet hochwertige und ökologisch produzierte Mode zum Leihen an. So teilen sich Nutzer der Plattform Kleidungsstücke im Prinzip. Das gibt Kunden die Möglichkeit, laufend neue Kleidung im Schrank zu haben, ohne immer wieder neu kaufen und aussortieren zu müssen.
In diesem Zuge muss man auch die größte Kleidertausch und Second-Hand-Plattform Europas nennen: Vinted. Hier findet Kleidung einen zweiten und manchmal auch einen Dritten und vierten Besitzer - gegen Geld oder im Tausch gegen ein anderes Kleidungsstück.

Trend #5: Cleverer Versand

Ein großes Problem im Onlinehandel ist nach wie vor der Verpackungsmüll. Bereits im Karton verpackte Artikel werden in einen extra Karton gepackt, damit die Originalverpackung tadellos bleibt. Hier gibt es noch wenige Lösungen, die in eine wirklich gute Richtung gehen. Zwar haben einige Unternehmen bereits auf umweltfreundlichere Verpackungen umgestellt und die neue Verpackungsordnung nimmt Unternehmen auch stärker in die Pflicht, aber wirkliche Innovation ist noch nicht zu sehen.
Ein Paradebeispiel, in welche Richtung es gehen könnte, liefert die Memo AG aus Unterfranken. Das Unternehmen nutzt eine wiederverwendbare Box als Alternative zum klassischen Pappkarton. Immerhin rund 25 Prozent der Kunden entscheiden sich für diesen Mehrwegversand. Die Kiste besteht aus Recyclingkunststoff und kann vom Kunden innerhalb von 14 Tagen kostenfrei zurückgeschickt werden. Wer die praktische Verpackung behalten möchte, lässt die Frist verstreichen und erhält dann eine Rechnung.
Bei der Rücksendung kann die Box mit Produktverpackungen sowie gebrauchten Produkten aus früheren Bestellungen, zum Beispiel alten Schreibgeräten, befüllt werden. Die Wertstoffe werden bei Memo sortiert und dem Recycling zugeführt. Auch Retouren lassen sich in der Box zurückschicken. Hier entstehen immer noch zusätzliche Lieferwege durch das Zurückschicken der Box, allerdings spart es eine Menge Pappabfall.

Trend #6: Refill, unverpackt und Nachfüllpacks

In vielen inhabergeführten Läden, aber auch in einigen großen Ketten, kann man seinen eigenen Becher für Kaffee und andere Getränke mitbringen und erhält einen Rabatt auf den Kauf. Ein guter Ansatz, denn laut Umweltbundamt fallen in Deutschland rund 2,8 Milliarden Wegwerfbecher im Jahr als Müll an.
Noch weiter gehen Unverpackt-Läden. Ihr Konzept ist es, den ganzen Einkauf ohne Einwegverpackungen zu erledigen. Man kann im Laden eine Mehrwegverpackung kaufen oder gegen Pfand mitnehmen oder mit seinen eigenen Behältnissen kommen.
Diesen Trend nutzen auch einige Naturkosmetik- oder Putzmittelmarken. So gibt es verschiedene Anbieter, die wiederverwendbare Umverpackungen für Lippenstifte oder Lidschatten anbieten. Ein neuer und sehr effektiver Trend im Putzmittelsektor sind kleine Reinigungstabs, die man daheim selbst mit Wasser anmischt. So kauft man nur den Inhalt neu und kann die Flasche immer wieder nutzen. Zudem lassen sich so etliche Tabs in einer kleinen Pappverpackung unterbringen, die ebenso vielen Plastikputzmittelflaschen entsprechen.

Trend #7: Langlebigkeit durch zeitloses Design und Qualität

Am nachhaltigsten ist es natürlich, grundsätzlich weniger zu konsumieren und zu produzieren. Für Unternehmen eher keine Option? Armed Angels macht vor, wie es geht. Das Bekleidungsunternehmen setzt auf zeitlose Optik und gute Qualität. Die Produkte der Marke überleben so viele Trends. Armed Angels wiederum kann einen höheren Preis verlangen, den die Kunden bereit sind zu zahlen.

Diese Trends zeigen, dass es zahlreiche Möglichkeiten gibt, nachhaltig zu agieren und gleichzeitig gut zu wirtschaften. Fallen Ihnen weitere Trends ein, die hier nicht unerwähnt bleiben sollten? Schicken Sie uns eine Mail an:

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