Sechs Trends für eine grünere Zukunft

Unser Planet ist akut bedroht durch Umweltverschmutzung und Erderwärmung. Doch etliche positive Entwicklungen machen Hoffnung, dass wir die Wende schaffen können.


Der Klimawandel schreitet fort. Und damit wird der Wunsch nach einer grüneren Welt und einem nachhaltigeren Leben in Gesellschaft und Politik stärker und stärker. Die Nachrichten sind alarmierend: Nur schwer unter Kontrolle zu bringende Brände in Australien und in Kalifornien, Überschwemmungen durch einen ansteigenden Meeresspiegel und das zunehmende Artensterben sind deutliche Warnungen, dass die Erderwärmung mehr ist als ein diffuses Risiko. Sie ist eine akute Bedrohung für die Biodiversität, für unseren Wohlstand, ja letztlich für die Zukunft unseres Planeten.

Um diese Zukunft zu schützen, gilt es jetzt schnell zu handeln. Das Zeitfenster, in dem Veränderungen wirklich etwas bringen, wird nach Ansicht von Experten immer kleiner. Doch es gibt positive Signale. Diverse Trends machen Hoffnung, dass Deutschland eine Kehrtwende in der Klimapolitik tatsächlich schaffen kann. Die folgenden Entwicklungen sind besonders wichtig.

Trend #1: Modelle der Kreislaufwirtschaft gewinnen an Bedeutung

Immer mehr Unternehmen beginnen damit, sich verstärkt mit zirkulären Business-Modellen zu beschäftigen. Anders als das gängige lineare Modell setzen zirkuläre Modelle den Fokus auf Recycling-Strategien und Verlängerung der Produktlebensdauer. In der Vergangenheit beschäftigten sich erste Initiativen vorwiegend mit der Reduktion von Verpackungsmüll, vor allem, wenn er aus Plastik besteht. Das Interesse bei Verbrauchern und in Unternehmen ist groß, seit bekannt ist, welche gewaltige Menge Plastik in den Weltmeeren treibt.
Zirkuläre Wirtschaftsansätze öffnen bei ökonomischen Aktivitäten den Blick für die Begrenztheit von Ressourcen und helfen, Emissionen zu verringern. Dazu gehören beispielsweise die Reduktion von Chemikalien, der Bezug erneuerbarer Energien und eine Restrukturierung von Unternehmensprozessen hin zu einer umweltfreundlichen Wertschöpfungskette.
Umweltschädigende Produkte vom Markt zu nehmen ist ein effizienter Weg, um das Klima zu schützen. Aus diesem Grund hebt der Europäische Green Deal – das CO2-Reduktions- und Wachstumsprogramm der EU – die Wichtigkeit von Programmen und Modellen für die Kreislaufwirtschaft hervor.

Trend #2: Die Ressource Wasser rückt in den Fokus

Im Globalen Risikoreport 2020 des Weltwirtschaftsforums wurde Wasserknappheit als eins der fünf größten gesellschaftlichen Risiken der nächsten zehn Jahre identifiziert. Auch die UN sagt bis 2030 eine um 40 Prozent reduzierte Verfügbarkeit von Wasser vorher. Unternehmen können es sich nicht länger leisten, ihren Wasserverbrauch zu ignorieren. Stattdessen werden sie sich künftig verstärkt mit Aufbereitungsprozessen auseinandersetzen und neue Regelwerke aufstellen müssen, um bewusster mit Wasser umzugehen. Dazu muss beispielsweise der Wasserverbrauch in der Produktion überprüft werden. Es gilt auch, die Wahl von Produktionsstandorten zu überdenken, wenn diese in Regionen liegen, die anfällig für Dürren sind, oder wenn die Natur vor Ort besonders schützenswert ist. Unternehmen, die sich frühzeitig mit einem effizienten Umgang mit Wasser beschäftigen, verbessern ihr Image und steigern ihren Wert.

Trend #3: Neue Technologie für eine grünere Welt

Der rasante Fortschritt intelligenter Technologie hat in den vergangenen Jahren viele neue Geschäftsmodelle hervorgebracht. Einige von ihnen haben das Potenzial, die Energiewirtschaft gravierend zu verändern. Dabei kommen zwei Arten von Technologie zum Tragen: physische und virtuelle.
Zu den physischen Technologien gehören beispielsweise Windräder, Fotovoltaik-Anlagen, elektrische Fahrzeuge, Stromnetzwerke, Batteriespeicher und andere Energieressourcen. Die Leistung dieser Technologien verbessert sich stetig, während die Kosten dafür immer weiter sinken. Darüber hinaus schafft das Internet der Dinge die Möglichkeit, all diese Technologien über Sensoren intelligent miteinander zu vernetzen. Das begünstigt die Entscheidung vieler Endverbraucher, auf erneuerbare Energien und smarte Stromnetze zu setzen. Zum einen, um bessere Kontrolle und Kostensicherheit zu haben, zum anderen, um von der größeren Beständigkeit komplexer Netzwerke zu profitieren.
Auch virtuelle Technologien wie Big Data, Robotik und Künstliche Intelligenz helfen Organisationen, nachhaltiger zu wirtschaften, indem sie schnelleren Zugang zu hochwertigen Informationen gewährleisten und wissensbasierte Entscheidungsprozesse optimieren. Künstliche Intelligenz beispielsweise kann vorhersagen, wann Geräte und Maschinen ausfallen werden und Unternehmen so Zeit, Geld und Ressourcen sparen. Auch auf Blockchain basierende Plattformen haben sich bereits über den Globus verteilt. Sie haben das Potenzial zu verändern, wie Endverbraucher mit Energienetzwerken und auch untereinander agieren. Zu den auf Blockchain basierenden Aktivitäten gehören beispielsweise lokale Energiemärkte, die den Austausch unter Endverbrauchern regeln. Aber auch Crowdsourcing, die Finanzierung und Implementierung von erneuerbaren Energiebeständen und der Handel von Grünstromzertifikaten werden über Blockchain abgewickelt

Trend #4: Autonomes Fahren und Shared Mobility können CO2-Emissionen reduzieren

Luftverschmutzung und Sorgen um das Klima haben elektrische und automatisierte Fahrzeuge als Alltagstechnologien in greifbare Nähe gerückt. Ihr Einfluss auf die globale Ökonomie im nächsten Jahrzehnt könnte gravierend sein.
Viele Länder haben fossile Brennstoffe für Autos in den letzten 25 Jahren bereits signifikant reduziert und mit dem steigenden Nutzerinteresse am Car-Sharing, werden Städte künftig noch stärker ihre Infrastrukturen und die Menschen ihre Mobilitätsgewohnheiten verändern müssen. Die OECD liefert dazu eine interessante Prognose: Flotten von selbstfahrenden Autos könnten in nicht allzu ferner Zukunft bis zu 90 Prozent der Autos auf urbanen Straßen ersetzen.
Natürlich haben diese Veränderungen im Straßenverkehr Konsequenzen für die Angestellten in Unternehmen und für die Lieferketten. Sie erfordern signifikante Investitionen in neue Flotten, Ladepunkte und Elektrizitätsnetze. Langfristig jedoch kann ein gut gesteuerter Wandel in Richtung Shared Mobility und alternative Transportsysteme große Vorteile bringen und natürlich für frischere Luft in deutschen Städten sorgen.

Trend #5: Nachhaltige Landwirtschaft verändert Böden und Nahrung

Eine weitere dynamische Veränderung bringt die regenerative Landwirtschaft. Im Zuge des Klimawandels geht Biodiversität verloren und die landwirtschaftlichen Böden beginnen Nährstoffe zu verlieren. Neue Methoden können Böden jedoch so verbessern, dass sie zum einen Kohlenstoff speichern, zugleich aber auch nährstoffreiche Ernten produzieren. Dazu gehört beispielsweise, dass zwei oder mehr Pflanzen zusammen gezüchtet werden und dass Insekten anstelle von chemischen Pestiziden eingesetzt werden.
Durch die Entwicklung des “Internet der Dinge”, der Fernerkundungssysteme und der Künstlichen Intelligenz könnte sich künftig eine datengetriebene automatisierte Landwirtschaft auch in Deutschland nachhaltig etablieren. In Großbritannien werden bereits 60 Prozent des Farmlandes mithilfe von Präzisionsmethoden wie Sensorsystemen, Kameras, Drohnen, Mikrofonen, virtuellen Feldkarten, Analyse-Tools und GPS-gesteuerten Traktoren gemanagt.

Trend #6: Investitionen in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen

Das Interesse der Investoren weltweit an nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen steigt. Da sich immer mehr Gründer mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, wächst auch das Interesse der Geldgeber. Erst kürzlich sagte Black-Rock-CEO Larry Fink im Jahresbrief seines Unternehmens, man wolle Investitionen in Firmen vermeiden, die ein hohes Risiko in Sachen Nachhaltigkeit darstellen. Auch die EU setzt Nachhaltigkeit verstärkt auf die Agenda. Und mit ihrem Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums verpflichtet die EU-Kommission Unternehmen dazu, klimarelevante Risiken offenzulegen, um eine CO2-neutrale Wirtschaft zu finanzieren.


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